Jan
22
Manchmal treten vergessene, oder eher: vergessen geglaubte, Erinnerungen plötzlich, oft einer weitschweifigen, kaum nachvollziehbaren Assoziationskette folgend, an die Oberfläche, wie Bläschen in Kohlensäure, wo sie dann augenblicklich platzen/verschwinden, öfter aber, vor allem negativer Art, hängen bleiben, nachwirken, nachpiesacken oder -treten, und man mag erahnen, was sie in der restlichen Zeit, unter der (Bewusstseins-)Oberfläche, alles anstellten, und weiter anstellen …

Jan
11
Perfekte Momente (II) …
Category: Beobachtetes, Intimes, Nostalgisches, Ästhetisches |
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Sie sind kein Einzelfall; jene Momente der perfekten Verschmelzung, von Raum und Zeit und Begleitumständen. Musik, Stimmung, Assoziationen. In ihrer Zusammenführung ausserhalb meiner Hand liegend, inszeniert vom Schicksal (oder wem auch immer..) …
Kürzlich, in einem Einkaufscenter. David ist dabei, mit der Babys eigenen Hochkonzentration einen Kinderreit-Automaten – in deren Einwurf ich schon manche Münze warf – zu entdecken. Ich stehe etwas abseits, beobachte ihn, meinen schützenden Blick auf ihn gelegt. Plötzlich setzt über die Lautsprecher “Reality” von Richard Sanderson ein, jener Balladen-Klassiker aus den 80ern. Mit dem besonders schönen Intro. Mit dem besonders schnulzigen, besonders rührseligen … besonders bezaubernden Intro.
Und sofort sind sie da, die Erinnerungen an jene Zeit, vor über 20 Jahren, und die Grenzen verwischen …
Vergangenheit.
Trifft Gegenwart.
Trifft Zukunft. Jede Menge Zukunft.
Alles für einen Moment wunderbar vereint. Visuell, akustisch, sinnlich. Meinen Sinnen mit einer geradezu überwältigenden Wucht barock’schen Ausmasses präsentiert, ja, eingehämmert, unauslöschlich, für immer in mir …
Jan
1
Dinner For One Less, oder: Die Zerstörung eines Klassikers …
Category: Beobachtetes, Nostalgisches, Zeitgemässes |
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Nun gut, ganz so begeistert war ich von diesem alljährlich festen Bestandteil des hiesigen Silvester-TV-Programms, gemäss Guiness-Buch der Rekorde die “weltweit am häufigsten wiederholte Fernsehproduktion” und natürlich ein (die Bezeichnung verdienender) Klassiker im deutschsprachigen Fernsehen, ohnehin nie. Eine frühe Kindheitserinnerung aus Zeiten mit wenig Sender-Alternativen, klar, und als solche, sowie als ein Stück Qualitätsarbeit, durchaus immer wieder gern gesehen. Wenn auch für mich ein Wiedersehen alle paar Jahre längstens ausreicht.
Dieses Jahr wars also mal wieder so weit.
Und dabei hab ich eine folgenschwere Entdeckung gemacht …
Den kurzen Schlussdialog, als die alte Dame sich zurückzieht, hatte ich bislang in etwa wie folgt in Erinnerung; er fragt sie, ob es im nächsten Jahr wieder dasselbe procedure sein dürfe, woraufhin sie entgegnet: “The same procedure as every year, James!”
Der Schlussgag wäre demnach die bittere Erkenntnis, dass die unfreiwillige Trinkerorgie für ihn auch im nächsten Jahr so weiter gehen wird, ein Ende nicht abzusehen ist …
Doch scheint diese Fehl-Interpretation auf meine früheren, schlechteren Englischkenntnisse und mangelnde Aufmerksamkeit zurückzuführen zu sein …
Tatsächlich lautet der Schlussdialog nämlich (von der englischen Wikipedia bestätigt) wie folgt:
After the dinner, Miss Sophie indicates to a very drunk James that she wishes to retire to bed, to which James responds:
James: By the way, the same procedure as last year, Miss Sophie?
Miss Sophie (delightedly): The same procedure as every year, James!
James: Well, I’ll do my very best!
Damit ist nun (endlich) alles klar; dieses fast schon antike Stück erhält einen erstaunlich frivolen Beigeschmack und auch sein Schlusszwinkerer in die Kamera eine neue Bedeutung; der “Service” geht also auch im Schlafzimmer der Alten weiter …
… und ich werde mir den Sketch nie mehr ansehen können, ohne an eine 90-Jährige (Zweittitel ist ja: “Der 90. Geburtstag“) zu denken, die mit ihrem gleichaltrigen Butler zugange ist …
Also lieber gar nicht.

Dez
30
Gladiator des Alltags …
Category: Beobachtetes, Fieses |
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Guten Tag
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Ich beziehe mich auf den bei Ihnen gestern Mittwoch abgeholten Renault Twingo (grün, BL 163 …, defektes Expansionsgefäss).
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Obwohl ich Ihren Mitarbeitern mehrfach mitgeteilt habe, dass ich den Wagen bei nicht erteiltem Reparaturauftrag spätestens Mittwoch Abend (bei Rückgabe des Ersatzwagens), ev. auch ausserhalb der Öffnungszeiten, abholen werde, fand ich ihn zu später Stunde abgeschlossen auf dem Hof vor, ohne am Wagen auffindbaren Schlüssel und ohne dass mir vorgängig ein Code für den Schlüsselkasten zugeteilt bzw. ich auf dieses System aufmerksam gemacht worden wäre.
Um den Wagen mitnehmen zu können, musste ich bei mir zuhause den Ersatzschlüssel holen.
Wo auch immer sich der andere Schlüssel aktuell befindet (!), ich bitte Sie, ihn mir an meine aktuelle Adresse (nicht in Ihrem System) zu schicken:
(…)
Grüsse

Nennen sich “Markengarage”, verlangen entsprechende Preise, doch Scheisse gebaut haben sie hiermit bei mir bereits zum zweiten Mal (immerhin, beim ersten Mal führte meine Reklamation zu einer Rückerstattung..) …
Aber eben, keine Stümpereien und und falschen Freundlichkeiten mehr ..!
Dez
21
Boulevard Of Broken Dreams ..?! ( Classics )
Category: Beobachtetes, Classics, Intimes, Weises |
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Mich hat der Boulevard immer mehr gereizt als die gehobenen Spielstätten. Wir Schauspieler hatten in Berlin eine Stammkneipe: den «Diener». In der einen Ecke sassen wir Schauspielkünstler vom Schiller-Theater. In der anderen zechten Harald Juhnke und Konsorten. Ich habe immer sehnsüchtig zum Boulevard hinübergeschielt. Die Damen dort hatten nicht nur das tiefere Décolleté. Die haben auch immer gelacht, während wir mit Bittermiene versuchten, die Welt zu verbessern.
Hat der Hugo-Egon Balder mal gesagt; fragt sich allerdings, ob seine Tutti-Frutti-Früchtchen, mit denen er TV-Geschichte der zweifelhafteren Sorte schrieb, tatsächlich die Art von “Boulevard” waren, wie er ihn sich erhofft hatte … andererseits ist er ja noch immer im Geschäft, und das nicht mal schlecht …
Die Kneipen-Szenerie erinnert mich an einen sympathischen Jurastudenten, der in den 1990ern etwas verloren im Pausenraum der Juristischen Fakultät der Uni Basel herumhockte, inmitten einer Armada konservativ gewandeter Typen, die schon in jungen Jahren aussahen wie ihre eigenen Väter und über Rechtsprobleme und Aktienkurse debattierten, während er die Zeitungen nach Klatsch oder Filmkritiken oder sowas durchblätterte, meist vergeblich, vielleicht mal einen Sportbericht las, jedenfalls, sich dabei immer wieder fragte, was er hier eigentlich verloren hat, und dabei auch gelegentlich schielte, ja, eigentlich schielt er noch immer, hinüber, zu …
… ja, hinüber zu was eigentlich ..?
Wo ist er denn, was ist er denn, mein “Boulevard” ..?!

(Originaleintrag vom 10. Oktober 2006);
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Dez
7
David, der Geher …
Category: Beobachtetes, Intimes, Zeitgemässes, Ästhetisches |
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Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt
… läuft der Knirps; wir laufen mit ..!
… wusste so, oder ähnlich, schon der gute alte Wilhelm Busch.

Stetig, behände, stolz, immer Schritt für Schritt, kaum mehr kriechend, bewegt er sich nun fort, dabei einem Roboter – oder eher Roboterchen – gleich jeden Schritt zuletzt, beim Auftreten, durch Verlagerung seines Gewichts betonend (und man denkt sich schmunzelnd den Donnerhall und die Erschütterung hinzu, welche solche Tritte einer Monsterkreatur in einem altmodischen Film begleiten würden..), was ihm zwar den Ausdruck leichter Schwerfälligkeit verleiht, aber einzig der vernünftigen Sicherung seines unermüdlichen Ganges dient … und mit einer immer geringer werdenden Hinfall-Quote belohnt wird …
Was muss das für eine unvergleichliche Erfahrung sein, die ersten Schritte seines Lebens zu gehen, mithin, das Gehen zu entdecken ..?!
Sinneseindrücke von einer Intensität wie sie im Erwachsenenalter nicht annähernd mehr erreicht werden …
Nov
30
Mission: Possible …
Category: Intimes, Nostalgisches, Weises, Ästhetisches |
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Die Mission: Eine Kurzgeschichte. Thema: “Sehnsucht“.
Der Auftraggeber: Eine Schweizer Gratiszeitung, Ableger einer grossen Tageszeitung.
Die Bedingungen: Nicht mehr als 4000 Zeichen. Bislang unveröffentlicht (Geschichte und Autor). Einsendeschluss 30. November 2009.
Der Lohn: Zwischen 15′000 (Platz 1), 10′000 (Platz 2) und 5′000 (Platz 3) Franken. Oder wenigstens eine Veröffentlichung.
Heute eingereicht. Gerade eben, nachts. Besser spät …
Teils basierend auf einem alten Blog-Eintrag.
Mal sehen …
Will ich Geld oder Ruhm? Am besten beides …
Im schlechtesten Fall halt ein weiterer Blogeintrag …
Nov
27
Die Weisheiten des N. … (II)
Category: Beobachtetes, Intimes |
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Wenig ist schöner, als in einem Körper, in dessen Muskeln noch der ganze hart erarbeitete Pump steckt, die Erfrischung einer Dusche zu geniessen nach einem Fitnesstraining, zu dem man sich erst überwinden musste …
Nov
7
Abgründe …
Category: Beobachtetes, Intimes |
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Mir schuldete einst einer Geld. Nicht mal wenig.
Erst nahm ers, dann war er plötzlich unauffindbar, die Sau.
Schliesslich fand ich ihn doch wieder, den Pleitegeier. Und schickte ihn schnurstracks in eine gutbezahlte Medikamenten-Versuchsreihe für menschliche Probanden.
Ich tats, ohne mit der Wimper zu zucken.
Muss ich mir Sorgen um mich machen?
Immerhin; das Geld hab ich vollständig wieder.
Nov
2
Altdandy-Erotik oder: Wie der Pleitegeier die Lust brachte … ( Classics )
Category: Beobachtetes, Classics, Fieses |
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Vom Wecker aufgewacht um sechs Uhr, war ich gelähmt vor Depression. Konnte nicht aufstehen, wollte nur liegenbleiben, wollte weiterschlafen, aber auch das ging nicht. Ich dachte an den Zahlungsbefehl, an die in der Arbeitswohnung ungeöffnet liegenden unterdessen bestimmt fünfzig Briefe, unter denen die Hälfte Rechnungen sein dürften, bekam einen Riesenschub Existenzangst, dachte an weitere Zahlungsbefehle, die kommen werden – und wurde vor lauter Panik sexuell erregt. Es scheint so etwas zu geben wie Geilheit aus Not: als würde eine bedrohte Art damit reagieren wollen, nun ganz besonders viel und heftig zu vögeln. Als ich das ‚Problem’ ‚gelöst’ hatte, war die Depression wieder da.”
Alban Nikolai Herbst, 52, die schriftstellernde Albino-Variante von Theo Waigel; aus seinem Online-Tagebuch …

Dem Irrwahn erlegen, er werde an “Universitäten gelehrt”, von “Bibliotheken hochfrequentiert”, tatsächlich irrlichternd zwischen einem Auswurf, schreibend, dichtend, essayierend, skizzierend, fingerübend, aussortierend, bloggend, der für Goethes Lebenswerk gleich zweimal gereicht hätte, und den doch niemand liest geschweige denn käuflich erwirbt, und, hieraus folgend, dem täglichen Kampf ums nackte Überleben, hat ihn die existenzielle Bedrohung an einer Stelle sogar soweit getrieben, bei Ebay eine Figur aus einem künftigen Roman zu versteigern, womit er, zugegeben, immerhin ein paar Euro mehr verdient hat als ich mit meiner glorreichen Schreibrechtsaktion …
Nachdem ich etwa die Zeitspanne eines Jahres von seinem Internettagebuch überflogen habe, so kann ich, auch angesichts des von ihm freundlicherweise zur Verfügung gestellten Bildmaterials, konstatieren, dass die Radikalität seiner virtuell gleichermassen abgebildeten und reflektierten Zwangsrealität ohne weiteres in die Schranken verwiesen wird von der jenseits aller Kompromisse schwebenden Unerbittlichkeit seiner Sockenwahl …
Was das Zitat betrifft, so mag man ob der ästhetischen Wertigkeit einer solch unverfroren aufgezwungenen Altdandy-Erotik geteilter Meinung sein, doch waren es letztlich Ausschnitte wie dieser, welche mir, rosinengleich, den selbst als Kleinsthäppchen genossen kaum ertragbaren Restgugelhopf äusserster Geschmacksbitterkeit, ein wenig nur zu versüssen vermochten …
(Originaleintrag vom 17. Januar 2007);
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Ich hab ihn seinerzeit per Mail auf meine “Lobhudelei” aufmerksam gemacht; sogleich reagierte er mit einem Absatz in seinem neuesten Blogeintrag …
Und auf einen komisch frozzelnden Artikel wies mich in einer heute morgen empfangenen Mail sein Autor hin. Meine Socken, über die dem Mann Kenntnis sehr angelegen zu sein scheint, spielen darin eine Rolle, und mit Theo Waigel hat mich a u c h noch keiner vorher verglichen; ebenso ist das mit dem Albino hübsch. Man scheint mir tief in die Augen geschaut zu haben, nachdem man das gleiche mit dem Glas getan – mit sehr viel m e h r e r e n Gläsern, nehm ich mal an. >>>> Machen Sie sich einfach Ihr eigenes Bild. [Link zu meinem Beitrag]
“Frotzeln” schreibt man mit ‘tz’, ansonsten geht diese wohlwollend-zurückhaltende Reaktion für mich in Ordnung …

