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Altdandy-Erotik oder: Wie der Pleitegeier die Lust brachte … ( Classics )
Category: Beobachtetes, Classics, Fieses |
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Vom Wecker aufgewacht um sechs Uhr, war ich gelähmt vor Depression. Konnte nicht aufstehen, wollte nur liegenbleiben, wollte weiterschlafen, aber auch das ging nicht. Ich dachte an den Zahlungsbefehl, an die in der Arbeitswohnung ungeöffnet liegenden unterdessen bestimmt fünfzig Briefe, unter denen die Hälfte Rechnungen sein dürften, bekam einen Riesenschub Existenzangst, dachte an weitere Zahlungsbefehle, die kommen werden – und wurde vor lauter Panik sexuell erregt. Es scheint so etwas zu geben wie Geilheit aus Not: als würde eine bedrohte Art damit reagieren wollen, nun ganz besonders viel und heftig zu vögeln. Als ich das ‚Problem’ ‚gelöst’ hatte, war die Depression wieder da.”
Alban Nikolai Herbst, 52, die schriftstellernde Albino-Variante von Theo Waigel; aus seinem Online-Tagebuch …

Dem Irrwahn erlegen, er werde an “Universitäten gelehrt”, von “Bibliotheken hochfrequentiert”, tatsächlich irrlichternd zwischen einem Auswurf, schreibend, dichtend, essayierend, skizzierend, fingerübend, aussortierend, bloggend, der für Goethes Lebenswerk gleich zweimal gereicht hätte, und den doch niemand liest geschweige denn käuflich erwirbt, und, hieraus folgend, dem täglichen Kampf ums nackte Überleben, hat ihn die existenzielle Bedrohung an einer Stelle sogar soweit getrieben, bei Ebay eine Figur aus einem künftigen Roman zu versteigern, womit er, zugegeben, immerhin ein paar Euro mehr verdient hat als ich mit meiner glorreichen Schreibrechtsaktion …
Nachdem ich etwa die Zeitspanne eines Jahres von seinem Internettagebuch überflogen habe, so kann ich, auch angesichts des von ihm freundlicherweise zur Verfügung gestellten Bildmaterials, konstatieren, dass die Radikalität seiner virtuell gleichermassen abgebildeten und reflektierten Zwangsrealität ohne weiteres in die Schranken verwiesen wird von der jenseits aller Kompromisse schwebenden Unerbittlichkeit seiner Sockenwahl …
Was das Zitat betrifft, so mag man ob der ästhetischen Wertigkeit einer solch unverfroren aufgezwungenen Altdandy-Erotik geteilter Meinung sein, doch waren es letztlich Ausschnitte wie dieser, welche mir, rosinengleich, den selbst als Kleinsthäppchen genossen kaum ertragbaren Restgugelhopf äusserster Geschmacksbitterkeit, ein wenig nur zu versüssen vermochten …
(Originaleintrag vom 17. Januar 2007);
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Ich hab ihn seinerzeit per Mail auf meine “Lobhudelei” aufmerksam gemacht; sogleich reagierte er mit einem Absatz in seinem neuesten Blogeintrag …
Und auf einen komisch frozzelnden Artikel wies mich in einer heute morgen empfangenen Mail sein Autor hin. Meine Socken, über die dem Mann Kenntnis sehr angelegen zu sein scheint, spielen darin eine Rolle, und mit Theo Waigel hat mich a u c h noch keiner vorher verglichen; ebenso ist das mit dem Albino hübsch. Man scheint mir tief in die Augen geschaut zu haben, nachdem man das gleiche mit dem Glas getan – mit sehr viel m e h r e r e n Gläsern, nehm ich mal an. >>>> Machen Sie sich einfach Ihr eigenes Bild. [Link zu meinem Beitrag]
“Frotzeln” schreibt man mit ‘tz’, ansonsten geht diese wohlwollend-zurückhaltende Reaktion für mich in Ordnung …
