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Mich hat der Boulevard immer mehr gereizt als die gehobenen Spielstätten. Wir Schauspieler hatten in Berlin eine Stammkneipe: den «Diener». In der einen Ecke sassen wir Schauspielkünstler vom Schiller-Theater. In der anderen zechten Harald Juhnke und Konsorten. Ich habe immer sehnsüchtig zum Boulevard hinübergeschielt. Die Damen dort hatten nicht nur das tiefere Décolleté. Die haben auch immer gelacht, während wir mit Bittermiene versuchten, die Welt zu verbessern.

Hat der Hugo-Egon Balder mal gesagt; fragt sich allerdings, ob seine Tutti-Frutti-Früchtchen, mit denen er TV-Geschichte der zweifelhafteren Sorte schrieb, tatsächlich die Art von “Boulevard” waren, wie er ihn sich erhofft hatte … andererseits ist er ja noch immer im Geschäft, und das nicht mal schlecht …

Die Kneipen-Szenerie erinnert mich an einen sympathischen Jurastudenten, der in den 1990ern etwas verloren im Pausenraum der Juristischen Fakultät der Uni Basel herumhockte, inmitten einer Armada konservativ gewandeter Typen, die schon in jungen Jahren aussahen wie ihre eigenen Väter und über Rechtsprobleme und Aktienkurse debattierten, während er die Zeitungen nach Klatsch oder Filmkritiken oder sowas durchblätterte, meist vergeblich, vielleicht mal einen Sportbericht las, jedenfalls, sich dabei immer wieder fragte, was er hier eigentlich verloren hat, und dabei auch gelegentlich schielte, ja, eigentlich schielt er noch immer, hinüber, zu …

… ja, hinüber zu was eigentlich ..?
Wo ist er denn, was ist er denn, mein “Boulevard” ..?!

Boulevard Broken Dreams

(Originaleintrag vom 10. Oktober 2006);
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